IM Neesken

Der ehemalige DDR-Nationalspieler Gerd Kische wählte als potentieller inoffizieller Mitarbeiter (IM) der Stasi den Namen seines großen Idol.

Ost-Berlin, 13. Juni 1987, das Stadion der Weltjugend ist mit 47.000 Zuschauern ausverkauft. Auf der Ehrentribüne sitzen Erich Honecker und Erich Mielke mit anderen Genossen in der strahlenden Sonne. Trotz der Leichtathletikbahn zwischen dem Spielfeld und der Tribüne ist die Atmosphäre im Stadion großartig und auf der Ehrentribüne ist kein ungebührliches Wort zu hören. Die Fahnen wehen stolz im Wind und die Propagandalosungen sind hübsch an verschiedenen Plätzen im Stadion aufgehängt. Heute Nachmittag findet um 15 Uhr das ostdeutsche Pokalfinale zwischen Lokomotive Leipzig und dem FC Hansa Rostock statt.

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Das letzte Länderspiel der DDR-Nationalmannschaft

Von einem Familienausflug und vom „Fähnlein der 14 Aufrechten” ist die Rede, als sich am 11. September 1990 die DDR-Nationalmannschaft auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld trifft. Eine Reise beginnt, die Wehmut erzeugt und noch einmal viele Erinnerungen weckt. In Brüssel ist Belgien der Gegner im 293. und letzten Länderspiel der DDR-Fußball-Nationalmannschaft um Trainer Eduard Geyer.

Der Abschied in Belgiens Hauptstadt steht unter denkbar ungünstigen Voraussetzungen. Von 36 Kandidaten für das Abschiedsspiel sind nur zwölf angereist. Heyne (Verzichtserklärung), Bräutigam, Minkwitz, Lindner, Steinmann, Kirsten, Doll, Thom (alle verletzt!?) und Ernst (keine Motivation) fehlen. Vielleicht ist es gerade die Fadenscheinigkeit einiger Absagen, dass sich in der kleinen Delegation von Spielern, Trainern und Offiziellen anfängliche Resignation in den Mut der Verzweiflung, der Ärger über die Umstände in Trotz und eine Jetzt-Erst-Recht-Stimmung umwandeln. Weiterlesen

Das erste Länderspiel der DDR-Auswahl

Das Jahr 1952 – die schlimmsten Verwüstungen des Zweiten Weltkrieges sind beseitigt. Der Sport hat wieder einen Platz in der Gesellschaft. Für den Fußball der DDR ist dieses Jahr ein ganz besonderes. Zum ersten wird der Verband in den Fußball-Weltverband FIFA aufgenommen, zum zweiten steigt nach mehreren inoffiziellen Vergleichen nun endlich das erste offizielle Länderspiel.

Am 21. September ist Polens Auswahl Warschau der Partner. Für die knapp drei Jahre junge DDR hat dieses Spiel auch politische Bedeutung. Die Polen denen von deutscher Seite soviel Leid zugefügt worden war, hatten sich nämlich als erste bereit erklärt, wieder gegen eine deutsche Mannschaft zu spielen. “Wir wussten , dass wir durch einfühlsames Verhalten und faires anständiges Auftreten versuchen mussten, uns als Freunde aus einem neuen Deutschland zu zeigen. Allen war klar, dass die Polen noch längst nicht vergessen hatten”, erzählt der damalige Kapitän Horst “Schere” Scherbaum, der noch heute in Leipzig als 65-Jähriger ehrenamtlich für den 1. FC Lok tätig ist. Weiterlesen

Wie alles wieder begann

Es war trostlos. Anfang Mai 1945 das Ende des Zweiten Weltkriegs. Verwaiste Stadien zerstörte Plätze. Von Bomben- und Granattrichtern übersät. Erbe des Hitlerfaschismus. Und dennoch: Das Leben ging weiter. Auch Fußball wurde wieder gespielt. Chronisten überlieferten erste Vergleiche:

Am 13. Mai 1945 in Mühlbeck (Kreis Bitterfeld), am 16. Mai in Berlin-Spandau, ab 20. Mai jeden Sonntag in Berliner Stadtbezirken, im damaligen Land Brandenburg und in anderen Städten und Orten. Die alten Vereine waren verboten. In der damaligen sowjetischen Besatzungszone einschließlich Berlins bildeten sich so genannte “kommunale Sportgruppen”. In Magdeburg, Schwerin, Rostock, Guben, Forst, Neubrandenburg, Jena, Gera, Erfurt, Chemnitz und Zwickau begann der Spielbetrieb. Unorganisiert, aber doch hoffnungsvoll. Die Menschen in allen Orten gingen dem Sport gewissermaßen auch eigennützig nach. Denn eine neue Kultur wuchs ja erst ganz allmählich. Zu viele andere Aufgaben standen im Vordergrund. Aufgaben, die die Organisation des täglichen Lebens einfach erforderten. Logisch, erst müssen die Leute arbeiten und wohnen können, ehe sie sich anderen Dingen widmen. Doch so anstrengend die Jahre nach dem Krieg auch waren – zwölf und mehr Stunden Arbeit zur Norm gehörten -, so war die Sehnsucht nach Entspannung und Lebensfreude riesengroß. Weiterlesen